12.06.2012 Sommer, Sonne ...... Ohrenschmerzen?

Im Sommer, wenn die Sonne scheint, haben Badeseen und Meer wieder Hochsaison. Doch aus Vergnügen kann schnell Verdruss werden. Die mit dem Wasser ins Ohr gespülten Keime - meistens Bakterien, aber auch Pilze und Viren - können eine schmerzhafte Gehörgangsentzündung verursachen. Diese Entzündung des äußeren Gehörganges tritt vor allem im Sommer, während der Badesaison, gehäuft auf und wird daher auch als Badeotitis bezeichnet. Andere Namen für Badeotitis sind Ohrenekzem, Ohrmuschelekzem, Ohrmuschelentzündung, Otitis externa, Badeohr, Taucherohr, Surferohr.

Der äußere Gehörgang
Der äußere Gehörgang erstreckt sich von der Ohrmuschel zum Trommelfell, das die Grenze zum Mittelohr bildet. Dieser wäre als lichtgeschützter, körperwarmer Kanal ein idealer Boden für Bakterien, aber das Ohr besitzt einen natürlichen Schutz- und Reinigungsmechanismus. Das Ohrenschmalz, auch Cerumen genannt, wirkt aufgrund seines sauren pH-Werts wie eine natürliche Barriere gegen schädliche Keime und es ist wasserabweisend. Außerdem verfangen sich Krankheitserreger und Schmutzpartikel im Ohrenschmalz und werden mit ihm nach außen, Richtung Ohrmuschel, befördert.
Gehörgangsentzündung
Bei einer Gehörgangsentzündung (Otitis externa) entzündet sich die Haut im äußeren Gehörgang – also im Bereich zwischen Ohrmuschel und Trommelfell. Die Ursache ist in den meisten Fällen eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen, wenn die natürlichen Schutz- und Reinigungsmechanismen des Ohrs gestört sind. Diese Verursacher können mit Wasser ins Ohr gespült werden. Eine Gehörgangsentzündung kann ein Ohr oder beide Ohren betreffen.
Wie kommt es zu einer (Zer)störung des Schutzfilms
Sehr warmes Wasser (macht Fett weich und fließlich), hoher Chlorgehalt, und exzessiver Wasserkontakt können den natürlichen Schutzfilm schädigen. Auch chronische Hauterkrankungen wie atopisches Ekzem (Neurodermitis) oder Psoriasis erhöhen die Anfälligkeit für eine Gehörgangsentzündung.
Risikofaktoren
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko an einer Otitis externa zu erkranken:
- Ein ständiges, feucht-warmes Milieu in den Ohren (zum Beispiel durch häufige Schwimmbadbesuche, Tauchgänge oder durch häufiges Tragen von Ohrstöpseln oder geschlossenen Hörgeräten) lässt die Haut im Gehörgang aufweichen. Keime dringen leichter ein. Wer viel Wasser in die Ohren bekommt, spült außerdem das wichtige Ohrenschmalz weg.
- Übertriebenes Waschen mit Seifen oder Shampoos verändert (erhöht) den pH-Wert im Gehörgang. Das schützende saure Milieu geht verloren.
- Kleinste Verletzungen im Gehörgang ebnen den Weg für eine Entzündung. Ursache kann zum Beispiel das "Reinigen" der Ohren mit Wattestäbchen oder das Manipulieren im Gehörgang mit Fingern oder Gegenständen wie Stricknadeln, Kugelschreibern,... – ist nicht empfehlenswert!
- Besondere, ungewöhnliche anatomische Verhältnisse im Gehörgang liefern ebenfalls Voraussetzungen für eine Gehörgangsentzündung. So sind zum Beispiel sehr enge Gehörgänge schlechter belüftet, Feuchtigkeit verdunstet nicht so gut, wodurch sich Keime besser vermehren können. Verengungen entstehen zum Beispiel durch Knochenwucherungen (Gehörgangsexostosen), die wiederum bei Tauchern oder Surfern häufiger vorkommen.
Risikogruppen
- Kinder
- Taucher
- Surfer
- passionierte Schwimmer
- Touristen beim Badeurlaub

Symptome
Symptome einer Badeotitis können sein:
- Starke Schmerzen
- Druckgefühl
- Ausfluss und Juckreiz
- Anschwellen des Gehörgangs
- evtl. Gehöreinbusse
Treten diese Symptome auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Behandlung
Da die Erkrankung eine Erkrankung der Haut ist, steht die lokale Behandlung von außen im Vordergrund. Eine starke Ausprägung oder besondere Verursacher können aber auch eine Antibiotika-Therapie (Tabletten / Infusionen) notwendig machen. Wichtig ist Ihre Ohren bis zum Abklingen der Infektion trocken zu halten.
Bei einer notwendigen Antibiotikatherapie sollte auf eine lokale Anwendung geachtet werden, da dadurch keine systemischen Nebenwirkungen auftreten können. Bei nicht sichtbarem Trommelfell bzw. beschädigtem Trommelfell sollte ein nicht ototoxischer Wirkstoff verwendet werden, da ototoxische Substanzen zu einer irreversiblen Schädigung des Gehörs führen können, falls sie bei einem geschädigten Trommelfell in das Ohr gelangen.
Behandlungsablauf beim Arzt
1) Schonende Reinigung des Gehörganges
2) Spülung bzw. abschwellende, austrocknende und antiseptische Behandlung
3) Lokale Anwendung meistens eines kortisonhältigen Präparates und / oder antiseptisch, ggf. antibakteriell (bzw. je nach Erreger) wirksamen Arzneimittels
Dauer der Behandlung: im Allgemeinen 7 Tage